12. April 2016

Begleitbrief zum Votum

Votum für den Raum Usedom-Anklam-Greifswald wurde am 07.03.2016 abgeschickt

– mit nachfolgendem Begleitbrief:

Sehr geehrter Herr Weber,

Greifswald, Anklam und Usedom haben sich, jeweils vertreten durch ihre PGR-Mitglieder und unterstützt durch ihre AGs-WGRG, am 23. Januar 2016 in Anklam getroffen und über ein gemeinsames Votum beraten.

Von Anfang an ist es unser Bestreben gewesen, die Bildung des künftigen pastoralen Raumes auf einem geschwisterlichen Miteinander der Nachbargemeinden aufzubauen, und damit ein gutes Fundament für das künftige Miteinander zu legen. Die verkehrstechnisch schwierige und ausladende Größe der neu zu bildenden pastoralen Räume in Vorpommern wird in noch viel stärkerem Ausmaß bedeuten, dass wir aufeinander angewiesen und voneinander abhängig sind, als wir es sowieso schon aus der Flächen-Diaspora gewohnt sind. Daher müssen wir stark auf einen rücksichtsvollen Umgang mit den jeweiligen gegenseitigen Befindlichkeiten setzen.

Unsere Absichtserklärung zielte dahin, einen pastoralen Raum mit Usedom und Wolgast zu bilden. Mit einem pastoralen Raum dieser Größe hatte sich unsere Gemeinde bei der Gemeindebefragung auch einverstanden erklärt, und die Gegebenheiten passten gut zu unseren bereits angestellten Grundüberlegungen für die Realisierung eines pastoralen Konzeptes.

Die Entwicklungen im Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ haben uns deutlich gezeigt, wie schwierig Kommunikation, umfassende Informationsweitergabe und Absprachen in einem Raum mit solchen Entfernungen sind. Wir waren davon ausgegangen, dass sich Wolgast und Anklam voneinander trennen möchten. Das war aber in dieser Tragweite keine vollständige Weitergabe der Informationen aus dem PGR-Anklam. Anklam und Wolgast hatten überlegt, ob sie sich eventuell trennen sollten. Es handelte sich also um eine Überlegung und nicht um ein Faktum. Anklam und Wolgast haben dann nach Auswertung einer Gemeindebefragung in einer gemeinsamen Sitzung beschlossen, beieinander bleiben zu wollen. Wir achten diesen Entschluss unserer Nachbargemeinde, auch wenn wir alle mit unseren Überlegungen, wie Seelsorge in unserem künftigen pastoralen Raum möglich sein kann, damit vor deutlich größere und vielfältigere Sorgen gestellt werden.

Der PGR, KV und die AG-WGRG aus Greifswald hat am 23. Januar durch ihre Vertreter ihr Einverständnis mit diesem vergrößerten Raum bekundet. Ein Entwurf für ein Votum wurde von den Vertretern aller Gemeinden gemeinsam erarbeitet und einstimmig beschlossen den Text den jeweiligen PGRe und KVe vorzulegen, zur Unterschrift bis Ende Februar. Es wurde dann auch gleich die Gelegenheit des Miteinanders aller drei Gemeinden genutzt und zwei Arbeitsgruppen aus den drei Gemeinden gebildet. Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit unserem künftigen pastoralen Konzept, damit wir beizeiten sowohl gemeinsames wie gemeindlich-besonderes in der Seelsorge mitbedenken; diese Arbeitsgruppe wird dem Pastoralausschuss zuarbeiten. Die zweite Arbeitsgruppe beschäftigt sich damit, wie Kommunikation in diesem Raum gelingen kann.

KV und PGR haben in Greifswald das Votum unterschrieben. Es liegt diesem Brief bei.

Kurz vor unserer Gemeindeversammlung zur Information der Gemeinde über den neuen – und größeren – pastoralen Raum am 21.02., erreichte uns die Nachricht, dass Usedom Bedenken wegen der Größe des Raumes anmeldet und das Votum daher (noch) nicht unterschreiben wird.

Wir halten es deswegen für wichtig, dass wir Ihnen unser Votum jetzt nicht kommentarlos zusenden.

Wir sehen die Bedenken, die Usedom mit dem größeren Raum hat. Der künftige pastorale Raum Greifswald-Anklam-Usedom stellt uns alle vor Probleme, für die es schwer sein wird, Lösungen zu finden. Wir sind zuversichtlich, dass es uns allen, wenn wir denn gemeinsam daran arbeiten wollen, gelingen wird, Lösungen zu finden, die wir dann auch alle miteinander (er-)tragen können. Die Grundvoraussetzung dazu ist, dass alle Gemeinden den pastoralen Raum so, wie er sich jetzt abzeichnet, akzeptieren und bereit sind, sich aufeinander einzulassen. Usedom ist daher unbedingt die Zeit sich noch einmal intensiv mit den Möglichkeiten und Chancen auseinanderzusetzen zu geben und ihnen die Entscheidung zu überlassen, damit sie dann voll und ganz hinter ihrem neuen pastoralen Raum stehen können – wie er dann auch immer aussehen mag.

Die Auswertungen der Rückmeldungen von der Gemeindeversammlung in Greifswald zeigen deutlich, welche Sorgen sich auch die Gemeinde Greifswald über die Größe des neuen pastoralen Raumes macht (wir haben Ihnen eine Zusammenfassung der Ergebnisse beigelegt). Wie Seelsorger noch vor Ort erreichbar sein können, wenn so viel Arbeitszeit durch die reinen Fahrtzeiten aufgefressen wird, ist eine immer wieder geäußerte Sorge. Die Fahrtzeiten werden auch bei der Umsetzung gemeinsamer Aktivitäten negativ zu Buche schlagen und werden auf Dauer unsere Ehrenamtlichen auslaugen. Gerade in diesem Punkt wird auch deutlich, wie unzufrieden unsere Gemeinde mit dem Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ an sich ist.

Die Grundidee von „Wo Glauben Raum gewinnt“ verkennt die praktischen Schwierigkeiten auf die große und strukturschwache Gemeinden in der ländlichen Diaspora stoßen. Arbeitsteilung durch Spezialisierung der Gemeinden, wie für Berlin vorgesehen und dort auch durchführbar, kann hier nicht funktionieren. Die Hilfestellungen, die Vorpommern vom EBB erfährt, sind nicht passend für unsere Verhältnisse vor Ort und führen durch die reine Kostenorientierung zu Frustration. Damit hier bei uns „Wo Glauben Raum gewinnt“ Erfolg haben kann, brauchen wir ganz konkrete Hilfe aus Berlin. Das Engagement darf nicht allein auf die wenigen Haupt- und Ehrenamtlichen abgewälzt werden. Zur Bewältigung der Kommunikationsprobleme in diesen großen pastoralen Räumen muss das Bistum eine gemeinsame Struktur der Gemeinden fördern, Schnittstellen aufbauen und vor allem direkt vor Ort den Gemeinden vertraute Ansprechpartner schaffen. Ein Beispiel für eine effektive Hilfestellung ist, die Gemeinden finanziell in die Lage zu versetzen, ihre Pfarrbüros zu besetzen. Ein anderer Punkt, um auflaufende Probleme jetzt abzufangen, ist unter anderem die sofortige Bereitstellung einer Fachkraft für den Verwaltungsleiter. Mit solchen Unterstützungsmaßnahmen abzuwarten, bis unsere Hinterland-Gemeinden keine Kraft und keinen Elan mehr haben, wird bedeuten, dass sie sich letztlich durch die Anforderungen des Prozesses aufzehren werden.

Die Gemeindeversammlung in Greifswald hat klar und deutlich aufgezeigt, dass die Größe des neuen pastoralen Raumes Greifswald-Anklam-Usedom das Maximum dessen ist, was die Gläubigen bereit sind zu tolerieren. Eine andere Lösung als mindestens eine Drei-Raum-Lösung ist für das Dekanat Vorpommern nicht akzeptabel. Die Aufgaben, die in diesen Räumen auf uns warten, sind so schon enorm. Welche Arbeitsfelder allein in Greifswald zu berücksichtigen sind, können Sie unserem Text im Votum entnehmen.

In der Hoffnung mit diesen ausführlichen Erläuterungen zu unserem Votum bei Ihnen und im EBO auf offene Ohren zu stoßen, Ihre

gez. Benita Geiger, gez. Ingrid Uhlemann für die AG-WGRG, Greifswald und im Auftrag des KV und PGR-Greifswald

 

Anlage:

- Votum

- Auswertung der Gemeindeversammlung am 21.02.2016

Kopie an Erzbischof Dr Koch, Prälat Dybowski und die Gemeinden Anklam, Usedom, Hoppenwalde, Pasewalk und den pastoralen Raum Demmin-Stralsund-Bergen