Die Schnitter und St. Marien in Gützkow

St. Marien Gützkow
St. Marien Gützkow

Durch eine stetige Abwanderung der Bevölkerung rund um Greifswald sahen sich die Großgrundbesitzer gezwungen, landwirtschaftliche Arbeitskräfte aus Westpreußen, Posen, Polen und Galizien anzuwerben. Vor allem die polnischen Saisonarbeiter wollten ihren Glauben auch fern der Heimat leben.

1906 wurden so erstmals polnisch-sprachige Gottesdienste für die Saisonarbeiter, die Schnitter, eingerichtet. Durch Sammlungen unter den Schnittern konnte 1907 sogar ein Hilfsgeistlicher angestellt werden. Der polnische Kaplan Kaluza unterstützte seitdem den Greifswalder Pfarrer Paul Jüttner. Gleichzeitig fanden erste Gottesdienste auch im nahe gelegenen Gützkow statt, damals noch im Restaurant Anners am Kosenowsee.

Pfarrer Paul Jüttner bemühte sich ab 1908 um einen Kapellenbau in der kleinen vorpommerschen Stadt. Der Bau wurde dann mit Spenden der Schnitter und mit Hilfe des Bonifatiusvereins 1910 möglich. St. Marien konnte so am 23. Mai 1910 benediziert werden.

Auch in Wolgast, was damals auch zu Greifswald gehörte, erfolgte am 13. November 1910 die Weihe der neuen Kapelle „Herz-Jesu“. Seit 1917 war Vinzenz Plonka eigener Seelsorger für die katholischen Saisonarbeiter rund um Wolgast. Unter dem Greifswalder Pfarrer Robert Plonka wird Wolgast dann im Mai 1925 selbständig.

Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg wurde es jedoch aus katholischer Sicht wieder ruhig in Gützkow. Nach dem zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Katholiken um und in der kleinen Stadt hingegen sprunghaft auf mehr als 1.000. Kriegsflüchtlinge und Vertriebene aus dem Sudentenland wurden angesiedelt. Ein eigener Geistlicher wurde nötig, so dass 1947 Bernhard Kleineidam zum ersten eigenen Pfarrer von St. Marien berufen wurde.

1955 wurde Gützkow auch vermögensrechtlich selbständig. Ab 1957 kommt es jedoch immer wieder zu Reglementierung und Bevormundung durch den neuen DDR-Staat, was eine starke Abwanderung der katholischen Gemeindemitglieder in den Westen zur Folge hat. Ein „Sterben der Seelen“ in der vorpommerschen Diaspora nimmt laut Gützkower Gemeindechronik seinen Lauf. Es erschwerte die Gemeindearbeit, nahm den Verbliebenen aber nicht den Mut, ihren katholischen Glauben aktiv zu leben. Trotzdem verabschiedet sich 1985 der letzte eigene Seelsorger Pfarrer Erhard Czech. Greifswalder Seelsorger sind wieder administrativ für St. Marien zuständig. Am 1. März 2003 erfolgte dann die Zusammenführung mit der Muttergemeinde St. Joseph in Greifswald.