Pfarrer Alfons Maria Wachsmann

Grab Pfarrer Wachsmann an der Kirche St. Joseph
Grab Pfarrer Wachsmann an der Kirche St. Joseph

Pfarrer Dr. Alfons Maria Wachsmann war von 1929 bis 1944 Priester der Greifswalder Gemeinde. Überzeugt durch den Ersten Weltkrieg und von den katholischen Werten nahm er eine kritische Position gegenüber der NS-Herrschaft ein und tat sie auch offen kund.

1929 gehörte die katholische Gemeinde in Greifswald immer noch zu einer kaum beachteten Minderheit. Vielen Bürgern der Stadt waren nur die polnischen Schnitter als Katholiken bekannt. Aber es gab auch Ärzte, Rechtsanwälte, Kaufleute, Beamte, Professoren und Studenten in der Gemeinde. Gerade die letzteren forderten 1928, als die Pfarrstelle vakant wurde, einen nicht polnisch sprechenden Pfarrer. Für die polnischen Bürger sollte weiterhin ein Kaplan zuständig sein.

Der damalige Breslauer Kardinal Bertram kam diesen Wünschen nach und entsandte zum 8. Januar 1929 den 33-jährigen Pfarrer Alfons Maria Wachsmann nach Greifswald. Er war nach seiner Priesterweihe 1921 zunächst Kaplan in Görlitz und dann in Berlin-Prenzlauer Berg. Hier knüpfte er u.a. Kontakte zu Carl Sonnenschein und dem Theologen Romano Guardini. Zudem wuchs er in Berlin in die Studentenseelsorge hinein.

Drei Hauptaufgaben machte sich der junge Pfarrer für Greifswald zu Eigen: Zum einen wollte er die katholische Gemeinde aus ihrer Isolierung führen. Zum anderen sollte die Diasporagemeinde durch religiöse Vertiefung gestärkt werden. Drittens war ihm auch die ausreichende Betreuung der Studenten ein Anliegen.

Schon im Mai 1929 führte er deshalb für die Studenten einen Mittagstisch in den Räumen des Waisenhauses ein. Im November ließ er zudem zehn freie Zimmer im Waisenhaus als Wohnräume für Studentinnen einrichten. Die Verbindungen zu Romano Guardini führten ab 1930 zu Vorträgen des Theologen innerhalb der Greifswalder Gemeinde. Später waren diese den regierenden Nationalsozialisten ein Dorn im Auge, denn sie waren häufig besser besucht, als zeitgleich stattfindende NSDAP-Veranstaltungen. Ab 1931 hielt Pfarrer Alfons Maria Wachsmann im Saal des Waisenhauses auch religiöse Schulungsabende.

Im Juli 1931 veröffentlichte die Predigerzeitschrift „Chrysologus“ die Einführungs­predigt Wachsmanns. Insgesamt 27 seiner Ansprachen wurden bis 1943 abgedruckt. Er galt als belesen und sorgfältig bei der Vorbereitung seiner Predigten. Zudem war es ihm wichtig, dass sowohl Professoren und Studenten als auch einfache Menschen persönlich angesprochen wurden. Pfarrer Wachsmann galt so als angesehener Prediger und hielt bis 1938 Vortragsreisen in ganz Deutschland.

Am 1. März 1935 promovierte er zum Dr. phil. An der Greifswalder Universität. Durch die Promotion kam er auch mit nichtkatholischen Universitätsangehörigen in Kontakt. Auch zu den evangelischen Christen Greifswalds hatte er ein gutes Verhältnis.

Schon seit 1933 machte der Pfarrer keinen Hehl über seine Abneigung gegen das NS-Regime und den erneuten Krieg. Wohl durch seine Erfahrungen als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg war er schon seit 1919 Mitglied im Friedensbund Deutscher Katholiken und galt als Pazifist. Nach der Machtergreifung der NSDAP hörte Pfarrer Wachsmann weiterhin englische Radiosender (besonders BBC) und das auch bei geöffnetem Fenster. 1938 wurde Pfarrer Alfons Maria Wachsmann der Pass für eine Reise nach Budapest zum Eucharastischen Kongress verweigert. Seit längerem wurde er bespitzelt. Seine Predigten, die immer unpolitisch waren, und sein Telefon wurden überwacht. Trotzdem sah er weiterhin im Nationalsozialismus ein Folterwerkzeug der Unfreiheit. Diese Ansichten versuchte er auch immer an seine Studenten bei den regelmäßigen Treffen am Mittwochabend weiter zu geben.

Regelmäßig fuhr er nach Zinnowitz zum St. Otto-Heim auf die Insel Usedom. Hier hatte er wohl auch Kontakte zu Prälat Dr. Carl Lambert, Johannes ter Morsche, Gerardus Pellkmann, Tadeus Siekerskie, Luise Feike und Pfarrer Vincenz Plonka, die am 4. Februar 1943 im Zuge des so genannten Fall Stettin von der Gestapo verhaftet wurden. Auch Pfarrer Dr. Alfons Maria Wachsmann wurde am 23. Juni 1943 im Zinnowitzer St. Otto-Heim festgenommen und auf Grund von Wehrkraftzersetzung durch das Hören feindlicher Radiosender am 3. Dezember 1943 zu Tode verurteilt. Am 21. Februar 1944 starb der damals 48-jährige Priester im Zuchthaus Brandenburg-Görden an der Havel durch das Fallbeil.