18. Juni 2015

Wenn Kinder ihren 70. Geburtstag feiern

9. Juni 1945 - 9. Juni 2015, sage und schreibe 70 Jahre Katholischer Kindergarten St. Joseph!

Dieses Jubiläum wurde nun am 13. Juni 2015 zunächst mit einem Festgottesdienst in St. Joseph um 14 Uhr feierlich begangen.

Danach fand auf dem Hof hinter der Kirche mit Erzieherinnen, Kindern, Eltern, ehemaligen Erzieherinnen und Ex-Kindergartenkinder ein zünftiges Jubiläumsfest mit einer riesigen Kaffeetafel, Hüpfburg, vielen interessanten Programmpunkten sowie einen echten Stargast: „Arne Feuerschlund“, der vor allem die Kinder mit seinen teilweise riskanten Darbietungen restlos begeisterte, statt.

Abends gab es dann noch für alle Bratwürtchen und Schwein vom Spieß. Insgesamt ein gelungener Jubiläumstag und wer unter den ca. 300 Gästen dabei war, wird dies bestätigen.

Entsprechend wollen wir von der Kaffeetafel ein paar stimmungsvolle Fotos zur Kenntnis geben.

Unsere Gemeindebrief-Redaktion nahm die Möglichkeit wahr und führte zur Feier des Tages mit der Leiterin des Kindergartens, Bernadette Grützmacher, ein kurzes Interview:

FRAGE: Frau Grützmacher, können Sie uns zunächst einen kurzen geschichtlichen Rückblick über den Kindergarten geben?

ANTWORT: Also, am 9. Juni 1945 wurde der Kindergarten unter dem damaligen Pfarrer Endres durch Schwester Angela von den ’Töchtern der göttlichen Liebe’ gegründet. Dazu angeregt wurden Pfarrer und Ordensschwester vor allem durch die Auswirkungen der unmittelbaren Nachkriegsnot. Begonnen hatte damals alles in der Bahnhofstraße 2, quasi mit nichts. Die Stadt hatte der Gemeinde dort lediglich einen Raum zur Verfügung gestellt.

Die Kinder, die kamen, brachten sich ihr Spielzeug mit. Und zu den bald stattfindenden ersten Martinsfesten bastelte Schwester Angela mit den Kindern aus Verdunkelungspapier die ersten Umzugslaternen. Im Winter brachten die Kinder auch schon mal ein oder zwei Kohlen von zuhause mit, damit geheizt werden konnte.

Dann begannen die fortwährenden Umzugszeiten. Zunächst zogen die Kinder Anfang der 50ziger Jahre ins Pfarrhaus. In der Regel war dort im unteren, kleinen Pfarrsaal vormittags Kindergarten, nachmittags Religionsunterricht und abends Gemeindeveranstaltung.

1960 wurde die jetzige Pfadfinderbaracke, mit Unterstützung vieler Gemeindemitglieder, gebaut, aus der dann der einräumige Kindergarten wurde. Auch hier fand alles unter einem Dach statt. Da war natürlich Organisation, Flexibilität und Rücksichtnahme gefragt.

Dieser ’kuschelige Zustand’ hielt bis 1988 an. Dann bekam die Gemeinde von der Kommune die Räumlichkeiten im ehemaligen Waisenhaus (heute: Pfarrer-Wachsmann-Haus) zurück, die, umgebaut, zum neuen Domizil des Kindergartens wurden. Es schlossen sich im Laufe der Jahre noch weitere Umbau- und Renovierungsarbeiten an, bis 2005, nach dem Erwerb des Grundstücks neben dem Wachsmann-Haus und nach diversen Verzögerungen, endlich, am 25. Januar, mit der Grundsteinlegung des Anbaus zum ’Schwester Angela-Haus’ begonnen werden konnte.

Während der einjährigen Bauarbeiten nebenan sind wir innerhalb des Wachsmann-Hauses noch dreimal mit den Kindern umgezogen, alles bei laufendem Betrieb. Doch dann ging es mit dem Bau relativ zügig voran, am 29. April 2005 war Richtfest und am 20. Januar 2006 die Einweihung des Hauses durch den erzbischöflichen Generalvikar, Msgn. Rother (Berlin).

Seitdem haben wir 60 Kinder zur Betreuung, insgesamt sind bei uns seit 1945 um die 1220 Kinder betreut worden.

Der Kindergarten hat auch unter kirchenfernen Eltern einem erstklassigen Ruf. Was ist der Grund?

Ich denke mal, dass hat bei uns mit einer gewissen familiär-unaufgeregten Atmosphäre zu tun, aber auch mit den ersten biblischen Erfahrungen der Kinder im Morgenkreis und der Vermittlung christlicher Werte.

Höhepunkte im Jahr unseres Kindergartenalltags sind verschiedene Feiern im Jahreskreis. Es gibt ja viele Feste, die eine lange Tradition haben und damit sind nicht nur die üblichen Feste im laufenden Kirchenjahr gemeint, wie beispielsweise Erntedank, St. Martin oder Krippenspiel, die sind für uns selbstverständlich. Es werden auch die üblichen Kindergeburtstage, Fasching ... gefeiert. So lässt sich wohl auch die Beliebtheit der Indianerfeste erklären, die schon eine lange Tradition haben. 

Wenn wir im Herbst die Riesen in die Schule verabschiedet haben, brauchen wir neue Riesen! Mit einem Gruppenfest werden die Spatzen zu Riesen, die Zwerge zu Spatzen, Käfer zu Zwergen und wir begrüßen neue Käfer bei uns. Und so wird, wenn man so will, eine allgemeine Kindergarten-Beförderung gefeiert. Das ist für die Kinder immer ein großer Augenblick, wenn sie so unwillkürlich sich ihres Wachstums und ihrer eigenen Entwicklung bewusst werden.

Welche Wünsche stehen für die Zukunft an?

Zukunftsgedanken? Wir haben immer noch eine umfangreiche Warteliste. Es wurden aber in den letzten Jahren einige Kindergärten in Greifswald neu gebaut und belegt. Man muß sehen, wie und ob es Auswirkungen daraufhin gibt, denn ich wünsche mir weiterhin eine lange Warteliste, ein volles Haus, lachende Kinder, zufriedene Eltern und zufriedene Mitarbeiterinnen, die abends zwar geschafft aber hoffentlich zufrieden nach Hause gehen können, so dass man sagen kann, es lohnt sich, es lohnt sich für die Kinder.

hjs

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